Der pädagogische Leistungsbegriff


1.
Der pädagogische Leistungsbegriff ist nicht ausschließlich produktorientiert, sondern orientiert sich am individuellen Lern- und Entwicklungsprozess des Kindes.
Das bedeutet, Schulleistungen werden nicht ausschließlich an (Klassenarbeits-) Ergebnissen gemessen, unabhängig von deren Zustandekommen. Diesem Faktor zur Seite treten die Überlegungen:
• Unter welchen Bedingungen lernt das Kind?
• Wo macht es Fortschritte, wo hat es Schwierigkeiten, wo sind seine Stärken?
• Welcher Hilfen braucht das Kind?
2.
Der pädagogische Leistungsbegriff ist nicht konkurrenzorientiert (rivalisierend), sondern er orientiert sich an der sozialen Dimension des Lernens.
Das bedeutet, rivalisierendes Lernen soll nicht hingenommen oder gar gefördert oder bevorzugt werden, z.B. mittels eines Notenspiegels. Wir haben uns vielmehr bevorzugt zu fragen:
• Welche Fähigkeiten sozialen Handelns müssen gestärkt werden?
• Wie kann das Kind von den Mitschülern profitieren?
• Wie kann es seine Leistungsfähigkeit wirksamer in die Klassengemeinschaft einbringen?
• Wie kann gemeinsames Lernen und Leisten gefördert werden?
3.
Der pädagogische Leistungsbegriff ist nicht ausleseorientiert, sondern orientiert sich an den Grundsätzen des Ermutigens und Förderns.
Das bedeutet, wir haben Schulversagen nicht als gegeben zu akzeptieren und die entsprechenden Aussonderungsmaßnahmen in Kauf zu nehmen, sondern wir haben uns zu fragen:
• Wie kann der Lehrer dem Kind Mut machen?
• Wie kann er Lernfreude und Anstrengungsbereitschaft wecken und steigern?
• Wie kann er den Verbleib in der Klassengemeinschaft weitgehend sichern?

Zitat nach Bartnitzky/Christiani: Zeugnisschreiben in der Grundschule, Elke Dieck : Heinsberg, 1987